Parte III: Mi nueva vida

Liebe Familie, Freunde, Verwandte,

Sponsoren und Interessierte,

 

Seit dem 9. September schon bin ich in meiner neuen Heimat Tena, im Amazonasgebiet Ecuadors und lebe in meiner Gastfamilie. Nach der Zeit in Quito, wo man sich eigentlich nie wirklich alleine fühlte, da man deutsche Gleichaltrige um sich hatte, war man jetzt plötzlich auf sich allein gestellt.

So wurde ich also am Sonntagnachmittag vor gut 5 Wochen von meiner Gastmutter Marisol und meinem 13-jährigen Gastbruder Juan empfangen. Die 5-stündige Busfahrt von Quito nach Tena nahm mich ganz schön mit, denn die Serpentinenstrassen durch den Regenwald haben es wirklich in sich! (wenn jemand denkt schonmal auf einer kurvigen Strasse in Deutschland gefahren zu sein: ihr habt keine Vorstellung, wie kurvig eine Strasse sein kann!). In meinem neuen Zuhause angekommen, einem zweistöckigen Haus etwas außerhalb der Innenstadt, lernte ich bei einem selbstgemachten Jugo (Saft) den Rest meiner Gastfamilie kennen: die quirlige Angie, die 9 Jahre alt ist, und meinen Gastpapa Fernando. Wir unterhielten uns ein bisschen, was zwar angesichts meines Spanischs etwas holprig war, aber sehr nett war und mir einen ersten Eindruck über meinen Tagesablauf gab.

So stand ich am naechsten Morgen um 6 Uhr auf, um nach einem super Frühstück meinen Bus zu bekommen und um 7.15 zu Unterrichtsbeginn da zu sein. Die Busfahrten hier mag ich unglaublich gerne, auch wenn sie alles andere als energiesparend sind. Bei einem rappelvollem Bus wird total schnell gefahren, Vollbremsungen sind Routine und nicht selten stehe ich an der offenen Tür mit dem Wind im Gesicht, weil man vor lauter Menschen nicht weiter reinkommt.

An der Escuela des San Jose Colegios angekommen, saß ich nach einigem Durchfragen in der Inspección mit meiner Mitfreiwilligen Miri, wo wir die ersten Infos erhalten sollten. Die folgenden Tage waren etwas chaotisch- mit der Anweisung die ersten Tage fürs Beobachten und Lernen zu nutzen, tingelten wir durch die Klassen und verschafften uns erste Eindrücke. Meine erste Unterrichtsstunde wurde mir nicht angekündigt, aber mit einem Puzzle aus Ideen und spontanen Einfaellen brachte ich die Stunde gut hinter mich.

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In der Pause in der ‚Cancha‘ (offene Sporthalle) des San José Colegios: alle Kinder tragen hier Schuluniform

Am Ende der Woche, nachdem wir auch unsere lang ersehnten Stundenpläne erhalten hatten, hatte sich herauskristallisiert was meine Arbeit hier sein wird: da es fuer die 1. Klasse (3-4 Jahre) bis zur 4. Klasse (7-8 Jahre) keine*n Englischlehrer*in gibt, unterrichte ich diese Klassen allein. In den restlichen Klassen bis zur 7. Stufe assistierte ich Señor Philip, einem sehr netten Englischlehrer, bei dem ich eigene Ideen einbringe und bei der Aussprache helfe.

Das Verhalten der Kinder hier ist ganz anders als das deutscher Kinder. Man muss viel lauter werden, um sich durchzusetzen, die Lehrer*innen nehmen auch oft Kinder am Arm um sie wieder auf ihren Platz zu manövrieren, und oft bringt auch Ermahnen überhaupt nichts. Vor allem in der 2. Klasse heisst es dreimal die Woche für mich: willst du dass sie still sind, musst du schreien! Nach und nach lernte ich meine Klassen kennen, probierte aus, wie ich mir über längere Zeit ihre Aufmerksamkeit zusichere. Ich glaube bis jetzt hat sie am meisten meine Musikbox beeindurckt, aus der regelmäßig englische Kinderlieder schallen, denn es ist ja schließlich faszinierend, dass aus so einem kleinen Ding so ein Sound kommt (danke dafür Yaron!). Zu den Liedern mache ich immer fleißig Bewegungen, dass es kein Geraufe oder sonstiges Herumalbern gibt.

Für mich war es sehr seltsam, von der Schülerin plötzlich zu der Person zu werden, die vor der Klasse steht- so lange ist es ja schließlich noch nicht her, dass ich selbst die Schulbank gedrückt habe. Doch es hat mich selbst überrascht, wie schnell ich in die Arbeit hineingewachsen bin und dass es mir Spaß macht zu sehen, wie gerne manche Kinder Englisch machen und lernen. Im Beliebtheitsranking ist das Fach definitiv ganz weit vorne, was sicherlich auch dem abwechslungsreichen Unterricht der vorhergehenden Freiwilligen zu verdanken ist!

Zudem machen zwei andere Freiwillige und ich noch eine ‚Extra clase‘, eine Stunde außerhalb des Unterrichts, wo wir mit den mit den Bachilleratos (Abiturient*innen) üben Englisch zu sprechen und Kenntnisse vertiefen. Das ist eine schöne Abwechslung, da man mit den jüngeren meistens nur die Basics macht und Farben, Tiere und Begrüßungen durchnimmt.

 

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Das passiert, wenn man ein Monster an die Tafel malt um den Körper auf Englisch zu erklären, und dann gebeten wird, doch nochmal seinen Namen an die Tafel zu schreiben…
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In der 4. Klasse: Köperteile auf Englisch- mit einem beschrifteten Monster

 

Eine meiner Schülerinnen ist eine echte Künstlerin!
In der 7. Klasse (ca. 10-11 Jahre alt): einer der Klassen in der ich dem Englischlehrer Philip assistiere.

Der andere grosse Teil, der meine Leben hier ausmacht, ist die Zeit nach der Schule und in der Gastfamilie. Bei uns wird drei mal am Tag zusammen gegessen, wobei es bei Marisol nie dasselbe zweimal gibt und ich bis jetzt jeden erdenklichen Jugo (Saft) probieren durfte den das Pflanzen- und Früchteangebot Tenas zu bieten hat. Das Essen ist einfach unglaublich lecker, und ich habe mich erstaunlich schnell an die Kombination aus Kartoffeln und Reis und an das Fleisch gewöhnt, dass es eigentlich zweimal pro Tag gibt. Um euch einen kleinen Einblick in die Esskultur hier zu geben: es gibt grundsäztlich immer Reis, egal was es noch dazu gibt. Hier im Oriente (Amazonastiefland) wird viel Yuca gegessen, in frittierter oder gekochter Form. Auch plátanos (Kochbananen), von denen es süßere und etwas saurere Varianten gibt, liegen oft auf dem Teller. Diese werden auch teilweise zu Chips frittiert, was es hier auch in Tüten zu kaufen gibt in vielen Geschmacksrichtungen. Wirklich unglaublich lecker!

Vor allem mit Angie, meiner Gastschwester, verstehe ich mich sehr gut, und hab auch schon ein paar Sachen mit ihr unternommen. Da meine Gasteltern einen Computerladen im Centro Tenas haben, sind sie nur zu den Essenszeiten zuhause, weshalb ich oft nachmittags mit Juan alleine bin.

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Die Hündin Sarita hat Junge bekommen: sechs gesunde Welpen!
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Meine Gastschwester Angie und ich mit der glücklichen Mama

Mein Zimmer, wohl eher meine Wohnung, ist sehr luxurioes: ich bewohne es allein, und nebenan ist mein eigenes Bad. Beides ist auf das Dach des ersten Stockes gebaut, weshalb das restliche Dach quasi meine Terrasse ist, die mit der Hängematte, dem Ausblick auf den Regenwald und die unter- und aufgehende Sonne sehr viel Charme hat.

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Sonnenuntergang von meiner Terrasse aus: da ich so nahe am Äquator bin, ist die Sonne sehr schnell weg

 

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Mit meiner Gastschwester Angie (Hängematte) abends auf der Terrasse: Mondlichtpicknick im Kerzenschein…

Oft verbringe ich Zeit mit den anderen Freiwilligen, die in Tena und Umgebung auch als Englischlehrer*innen taetig sind: zusammen erkundeten wir Tena, bestimmten unser Stammcafé, entdeckten schöne Läden, Plätze, neue Panaderias (Baeckereien) und versteckte Cafés, die fantastische Jugos servieren.

Alle zusammen wanderten wir durch den Selva (Regenwald) zu einem wunderschönen Wasserfall, wo man baden kann.

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Bambustunnel: auf dem Weg zum ‚Cascada‘ (Wasserfall)
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Vorm ‚Cascada‘ (Wasserfall) im Regenwald Archidonas

Ausserdem nahmen wir letztes Wochenende unseren ersten grossen Ausflug in Angriff: zu sechst fuhren wir nach Baños, einem sehr touristisch geprägten Ort, der aber ein super Angebot an Wandern, Clubs und Extremsportarten hat. Das Busnetz Ecuadors ist sehr gut, und die Fahrten nicht teuer, und so zahlt man fuer eine 5-stuendige Busfahrt nicht mal 6 Dollar.

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Baños: Wandern in den Bergen zum Casa del Árbol, einer riesigen Schaukel
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Zu sechst in Baños (Linn macht das Foto): auf dem Weg zum Wasserfall
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Der Wasserfall
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Rahel im Himmel: das erste Mal auf einem Avocadobaum!
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Schaukeln am Avocadobaum…

Zu dem Wetter hier: die Gastmutter meiner Freundin Mona hat es sehr schön formuliert: ‚Mucha lluvia y mucho sol!‘ (Viel Regen und viel Sonne!). Zudem ist es sehr warm hier, und es ist mir ein Rätsel wie die Lehrer*innen in meiner Schule es in ihren schicken langen Klammotten aushalten.

Mit dem Spanisch geht es langsam aber sicher voran. Es ist schwer, richtig reinzukommen wenn man Freunde hat die man fast jeden Tag sieht und mit denen man Deutsch redet, und oft reden die Leute hier total schnell, sodass ich nicht folgen kann. Aber ich merke, dass mir das Unterrichten, das Erklären in den eigenen Stunden als auch in denen wo ich assistiere sehr viel nützt.

Auch sonst gibt es hier in Tena sehr viele Freizeitangebote, vor allem was Sport angeht: Eine Woche nach meiner Ankunft hier das Boxen angefangen, und da ich in Deutschland schonmal 2 Jahr geboxt habe darf ich sogar mit den Fortgeschrittenen trainieren. Es macht mir sehr viel Spaß, ich werde hier definitiv mit Boxhandschuhen anstatt mit Samthandschuhen angefasst und lerne sehr viel. Außerdem gibt es hier jeden Abend Bailothérapia, so etwas wie Zumba, und ein schönes Stadion wo man super laufen kann.

 

Ihr seht, mir geht es sehr gut hier und ich erlebe unglaublich viel. In ein paar Wochen folgt mein nächster Bericht, denn bis dahin wird sich sicher auch noch was bei meiner Arbeit getan haben, da bis jetzt mein Stundenplan noch nicht komplett ist.

Alles Liebe aus Tena zu euch,

 

Eure Rahel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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5 Kommentare zu „Parte III: Mi nueva vida

Gib deinen ab

  1. Super !!Echt schön !!Toll Rahel wie Du das machst wir sind stolz auf Dich !!Angela und ich wollen auch zum Amazonas nach Tena .Wir haben kein Geld für den Flug aber 2 Kajaks .Gibt es eine Flussverbindung ?Genau wir kommen mit den Kajaks !!

    Bis bald

    Lieben Gruss Tobias und Angela

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    1. Hey ihr zwei!
      Ja mensch, das macht ihr doch glatt- einfach quer übers Meer, das findet ihr schon 😀 ist aber echt genial hier zum Kajaken und Raften, das stimmt. Ich komme danach einfach mal zu euch an die Wupper, da ist es auch sehr schön!😊💪
      Ganz liebe Grüße zu euch, ich drück euch ganz fest!
      Rahel💕

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